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Antlaßsingen in Traunkirchen

In Traunkirchen hat sich seit der Gegenreformation ein besonderer Karwochenbrauch erhalten: ein Leiden-Christi-Singen, genannt "Antlaßsingen".

Wenn in Traunkirchen am Gründonnerstag nach der abendlichen Liturgie vom Johannisbergkirchlein der 21.00 Uhr – Stundenschlag zu hören ist, versammeln sich alljährlich gläubige Männer, Frauen und Kinder zum „ Traunkirchner Antlaßsingen“.

Im 17. und 18. Jahrhundert waren es die Jesuiten, die die geistliche Situation im Salzkammergut gestalteten. Es galt, den katholischen Geist zu vertiefen, nachdem es in der Auseinandersetzung mit den Evangelischen zu betrüblichen Passagen gekommen ist. Die von den Jesuiten geförderte „Todesangst-Christi-Bruderschaft“ erbaute schon 1696 am Traunkirchner Kalvarienberg eine Kapelle mit einer großen barocken Darstellung der Kreuzigungsgruppe. Bereits fünf Jahre später wurden am Weg vier Kapellen mit den Darstellungen der Geheimnisse des Schmerzhaften Rosenkranzes errichtet. Der Kalvarienberg in Traunkirchen ist somit der älteste der Region und diente als Vorbild für weitere Kalvarienbergkirchen im Salzkammergut.

Seit eben dieser Zeit versammeln sich nach der abendlichen Gründonnerstagsliturgie zahlreiche Gläubige zum sogenannten „Antlaßsingen“. Dieser Passionsbrauch wird weder angekündigt noch verlautbart, man trifft sich einfach. Der Vorsänger – seit dem Jahr 1981 hat der Traunkirchner Josef Vogl die Aufgabe über – beginnt mit einem Nachtwächterruf: „Meine Herrn und Frauen lassts euch sagn, da Hammer hat neini gschlagn!“

Die versammelte Gebetsschar setzt mit mehrstimmigem, meist ausgeterztem Volksgesang fort:

„Scho neini, scho neini, die Keuschheit behüten nicht gleich einer Venus die Laster ausbrüten. Mein Jesus wird gfangen mit Spießen und Stangen. Drum meide die Sünd, mein Kind, `s hat neini gschlagn.“

Man vermutet, dass dieses Antlaßslied ein Relikt aus früheren volksliturgischen Passionsspielen ist. Der Vorsänger wiederholt seinen Ruf an weiteren elf Stellen im Ort und die Betschar antwortet mit der passenden Strophe.

Dieses Ritual wiederholt sich jeweils zur vollen Stunde bis 3.00 Uhr morgens. Der gesamte Liedertext schildert im Laufe der Nacht das Geschehen um Jesus, von seiner Gefangennahme am Ölberg bis hin zur Kreuzigung.

Nach der letzten Runde, um ca. 3.30 Uhr, wird vor dem Gemeindeamt ein balladenartiges Lied, das „Lied vom heiligen Leiden Christi“, auch „24-Stunden-Lied“ genannt, im Schein der mitgetragenen Laternen angestimmt. In diesem 16strophigen Lied wird abermals das Leiden Christi in seinen letzten Stunden zusammengefasst.

„Früher, bis vor rund 40 Jahren, wurde dieses Lied von einem einzigen Geiger, dem Totengräber Josef Feichtinger, vulgo „Festl“, eingespielt und begeleitet. Und noch vor 10 Jahren wurde das „24-Stunden-Lied“ auch am Nachmittag des Karsamstages in der Kirche gesungen“, erzählt Josef Vogl.

Der Zeiger der Uhr bewegt sich auf 4.00 Uhr Früh zu. Die Zahl derer, die die nächtliche Andacht mitgemacht haben, ist um diese Uhrzeit meist stark geschrumpft. Für den nun folgenden Gang auf den Kalvarienberg kommt es aber vor, dass sich wiederum der eine oder andere Gläubige neu dazu findet. Bei jeder der vier Kapellen am Weg zum Kalvarienbergkirchlein wird Halt gemacht, gesungen und gebetet. Mit einer Andacht in der Kapelle und dem Abstieg vom Kalvarienberg um fast fünf Uhr morgens ist das Traunkirchner Antlaßsingen beendet.

Gerade älteren Menschen ist vielleicht der Begriff „Antlaß“ nicht fremd. So sprach man früher von „Antlaßoa“, oder dem „Antlaßpfingsta“. Selten wurde der Begriff „Antlaßtag“ auch für Fronleichnam verwendet. „Antlaß“ stammt aus dem Mittelhochdeutschen „antlâz“ und bedeutet Entlassung, Ablaß, Lossprechung. Am Antlaßpfingsta, also am Gründonnerstag wurden früher die öffentlichen Kirchenbüßer nach 40tägigem Fasten aus der Buße entlassen. Den „Antlaßoa“, also am Gründonnerstag gelegten Eiern, sagt man besondere Kräfte nach: auf den Dachboden gelegt, sollen sie vor Blitzschlag schützen, im Feld vergraben, Fruchtbarkeit bringen und in den Stall gehängt vor bösen Hexen schützen.